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Genealogie

Vor den Toren Straubings

Die Marienwallfahrtskirche Sossau

- Das bayerische Loretto -  

Postkarte von 1904

Die Marienkapelle

Der Legende nach wurde die Marienkapelle bereits von christlichen Söldnern der römischen Besatzung in Antenring erbaut und blieb lange von Gewalttaten und Verwüstungen verschont.  Als sich aber Verbrechen und Raubüberfälle auf fromme Wallfahrer häuften, konnte die Gottesmutter soviel Unrecht nicht länger mit ansehen und entfloh. Engel des Himmels trugen ihr die Kirche mit Gnadenbild und Frauenglöckerl hinterher. Sie machten dabei Rast auf dem Frauenfleck in den Feldern von Alburg, in Frauenbrünndl bei Straubing und zuletzt an der so genannten Schiffsbreite bei Kagers, wo sie die Kirche auf ein Schiff verluden und über die Donau setzten. Nachts wurde das Gotteshaus dann in Sossau abgestellt und am Morgen verkündete das Frauenglöckerl mit dem Englischen Gruß das vollbrachte Wunder.

Soweit die bekannte Überlieferung.

Im Lauf der Zeit war man immer wieder bestrebt, den Wahrheitsgehalt der Legende zu finden. So ließ im Jahre 1736 der spätere Kaiser Karl VII.,  Kurfürst Karl Albrecht, in Gegenwart der Obrigkeit die Kirche untersuchen. Als sich kein Fundament fand, entstand eben der Vergleich mit der Wallfahrtskirche Loretto.

 

Der Stein

Eine weitere Episode erzählt eine in Eisen gefasste Steinplatte, welche in der angebauten Nothelferkapelle aufbewahrt wird. Die Legende sagt, dass es sich dabei um einen Baustein handelt, welcher beim Transport der Kirche verloren wurde.

Die Inschrift der darunter hängenden Tafel lautet:

„Carolus Sartor einstmahliger Fischer zu Kagers hatte disen Stein in dem ohnweit davon entlegenen acker der sogenanten Schif-braiten gefundten, mit selben dan seine Fisch-Reüssen  besencket; alleinig, obwohlen vorhin im Fischfang sehr glicklich, doch nu das mindiste Fischlein fangen könen, solang der Stein in der Reüssen ware.

Demnach hierüber erzörnet, wollte er solchen in das wasser werffen, von seinem Weib aber abgehalten, namme er selben mit sich nach hauß, willens, mitler Zeit zu einen thürschwelle zu gebrauchen; da er nun den Stein zu diesem ende hernemmen wolte, kunte er selben nirgents findten; den doch nach vollendteten bau das Söhnlein Caroli an den nemblichen orth ligend ersehen, wohin ihne der Vatter vohrmahls gelegt und doch vergebens gesuecht hatte.

Er liesse ihne dan zur maur des Stalls anwendten, aber vergebens; es blibe an selben kein mertl kleben, obschon solcher zum fünfften mahl angeworffen wurde.

Hiervon den widerum abgenommen solte er Carolo zu ein Feuhertstein im ofen dienen, worauf aber das feur so ungestim wüettete, das er selben auch widerum heraus zu thuen gezwungen war. Letzlich  legte er ihn unter ein krauthvaß, selbes hiemit zu befestigen, welches aber hierauf nu mehr und mehr wancklete.

Bis endlichen Carolus in bedenckung so widriger Umständ´ den Stein aufgehoben und solchen anno 1624 nach Sossau, in sein glaublich altes Orth anhero überbracht, auch all obige umständ in beysein hierzu erbettner Herrn Geistlichen als des Hochwürden Herrn Andreas Praun, Pfarrer von Kirchroth, den Georgen Schreibers und Hannsen Maur an Eydstatt ausgesagt hatte.“

 

Karl der Fischer, fand also den Stein in der Schiffsbreiten und hat damit seine Reuse beschwert. Als er  darauf keinen Fisch mehr fing, wollte er besagten Stein wutentbrannt in die Donau werfen. Auf Zureden seiner Frau nahm er ihn aber dann aber doch mit nach Hause, um ihn bei Gelegenheit als Türschwelle einzubauen. Als der Stein dann benötigt wurde, war er nirgends zu finden. Nach vollendetem Bau fand ihn der Sohn an genau jener Stelle, wo er vom Vater ehedem hinterlegt und anschließend vergeblich gesucht wurde. Eine Verwendung an der Stallmauer war ebenso erfolglos, es blieb daran kein Mörtel haften. Als Feuerstein im Ofen eingesetzt, wütete das Feuer so ungestüm und Furcht erregend, dass er auch hier wieder entnommen und schließlich als Unterlage für ein Krautfass dienen sollte. Jedoch, das Fass wackelte mehr den je. Nach Erleuchtung nahm Karl den Stein mit zur Kirche und siehe da: hier fand sich genau die Lücke, in die er sich bündig einfügte. 

 

 Der Schiffbruch

In Franz Bernhards  „Geschichte eines Dorfes – Taimering“ findet sich unter anderem ein Artikel von Josef Fendl:

 Schiffbruch Taimeringer Bauern auf der Donau

Ein Votivbild in der Wallfahrtskirche Sossau erinnert daran

Taimering. Unter dem Rest des einstmals reichen Bestandes an Votivbildern, der in der früher viel besuchten Wallfahrtskirche Sossau bei Straubing übriggeblieben ist, findet sich eine bemerkenswerte Tafel aus dem Jahr 1742.

Die bildliche Darstellung zeigt vor der turmreichen Kulisse der Gäubodenstadt Straubing fünf Männer, die unter großer Kraftanstrengung versuchen, die Ladung zweier in der Donau abgesackten Boote an Land zu ziehen. Einige Säcke liegen bereits am Ufer geborgen.

Auf der linken Bildhälfte ist über der Bergungsgruppe die Wallfahrtskirche Sossau zu sehen, rechts wurde die Pfarrkirche Taimering verhältnismäßig nahe an den Strom heran gerückt. Über der Donaubrücke im Hintergrund ist der „mons sacer“ Niederbayerns zu erkennen: Der Bogenberg mit der ältesten Marienwallfahrtskirche Bayerns. In der Ferne lassen sich die Bergkuppen des Vorderen Bayerischen Waldes ausmachen.

Das Ereignis, das zur Stiftung des Votivbildes Anlass gab ist in drei (auch orthographisch interessanten) Textzeilen am unteren Bildrand zusammengefasst: ,,Es haben sich her verlobt dise 3 Pauren von Daumerin georg weinziel iosePh gänger georg Perle Ist ihnen ein ganzes scheff fol Drait undergangen auf der taunau durch die hielf der alerseligise muter gottes glichtlich heraus komen one schatten. anno 1742“.

Drei Taimeringer Bauern wollten also zwei Schiffsladungen Getreide nach Straubing transportieren und erlitten dabei - nautischer Regeln unkundig - Schiffbruch. In ihrer höchsten Not verlobten sie sich zur Muttergottes von Sossau - und kamen mit dem Schrecken davon. Es ist durchaus möglich, dass die Nachfahren jener schiffbrüchigen Bauern heute noch in Taimering leben.

Josef Fendl

Anm :    mons sacer: lat.:« der Heilige Berg »

Wie sich die Nachfahren dieser drei Bauern in der Gegend um Taimering weiter verbreiteten wurde bisher noch nicht restlos erforscht. Eine der vielen Nachfahrenlinien führt jedenfalls über Umwege nach Teugn: Georg Weinzierl ist ein direkter Vorfahr unserer Familie, Josef Gänger dessen Schwiegersohn.

A. Weinzierl